Lanzarote wurde unter Segeln entdeckt — buchstäblich: Hier kamen sagenumwobene Phönizier an, mittelalterliche Genuesen und normannische Eroberer —, und sechs Jahrhunderte später ist es immer noch Segelland. Seine Gewässer sind ein perfektes Klassenzimmer: verlässliche Passatwinde (alisios), offenes Meer ohne tückische Riffe und erstklassige Sportboothäfen in Arrecife und Playa Blanca. Jeden Herbst machen Dutzende Segelboote unter europäischer Flagge hier Station vor dem großen Sprung: der Atlantiküberquerung. Die Kinder der Insel lernen im Optimist in der Bucht von Arrecife, die Besucher chartern Katamarane mit Skipper für den perfekten Tag — Papagayo, Ankerbucht, Thunfisch an Bord —, und die Romantiker suchen am Horizont weiter die Silhouette eines alten Seglers. Hier ein Segel zu setzen heißt, sich mit der Geschichte zu verabreden.
Es gibt Inseln, auf denen Segeln ein Sport ist; auf Lanzarote ist es die Ursprache. Alles, was in zweitausend Jahren auf diese Insel kam, kam vom Wind geschoben: die antiken Schiffe, die mit den Majos handelten, die Expedition von Lancelotto Malocello, die Karavellen der Eroberung, die Briggs des Salzes und der Cochenille. Der Passat — dieser Nordostwind, zuverlässig wie ein Uhrwerk — war jahrhundertelang die Autobahn für Ankunft und Abfahrt. Heute haben die Motoren den Transport übernommen, aber die Kultur bleibt: Wenige europäische Gewässer bieten das ganze Jahr über so edle Bedingungen zum Segeln.
Die aktuelle Seekarte hat drei Hauptstädte. Marina Lanzarote in Arrecife ist der Stadthafen: eine technische Werft von internationalem Niveau und Stege, an denen sich jeden Herbst Segelyachten aus halb Europa aufreihen, um das Abenteuer ihres Lebens vorzubereiten — die Atlantiküberquerung. Die Kanaren sind der klassische letzte Halt vor dem Sprung nach Amerika, dieselbe Logik wie bei den Seefahrern vor fünf Jahrhunderten, und auf den Molen liegt diese Stimmung aus Seekarten, Proviantlisten und glücklicher Nervosität in der Luft. Marina Rubicón in Playa Blanca ist die Elegante des Südens: eigene Regatten, Segelschule und die kompletteste Charterflotte. Und Puerto Calero macht das Trio mit seinem sportlichen Stempel voll. Drumherum halten die Segelclubs — mit dem Real Club Náutico de Arrecife als hundertjährigem Doyen — den Nachwuchs am Leben: Freitagnachmittags füllt sich die Bucht von Arrecife mit winzigen weißen Segeln, Jungen und Mädchen der Insel, die im Optimist lernen, was ihre Ururgroßeltern von Berufs wegen konnten.
Und der Besucher? Bekommt das Meer in allen Formaten serviert. Der Star-Plan sind die Segelausflüge nach Papagayo: Katamarane, die von Puerto del Carmen oder Playa Blanca ablegen, in den türkisfarbenen Buchten ankern und Menschen zurück in den Hafen bringen, die glücklicher und leicht salziger sind. Wer segeln kann, chartert ein Boot mit oder ohne Skipper und segelt die Traumroute: die Küste von Timanfaya vom Meer aus — die Lavaströme, die in den Atlantik stürzen — oder die Überfahrt zum Río, um vor La Graciosa vor Anker zu übernachten (mit den Genehmigungen des Parks in Ordnung). Und wer es wirklich lernen will, findet zertifizierte Schulen für alle Scheine, mit dem besten Lehrer überhaupt: einem konstanten Passat, der den Unterricht nie ausfallen lässt.
Eine Notiz fürs Auge: Von jeder Klippe im Osten sieht man bei Sonnenuntergang die Segel mit achterlichem Wind in den Hafen zurückkehren. Es ist dasselbe Bild — exakt dasselbe —, das die Majos, die Piraten und die Salzbauern sahen. Manche Postkarten brauchen kein Update.
