Eine Insel mit weniger als zweihunderttausend Einwohnern hat eine erstaunliche Zahl von Menschen hervorgebracht — und aufgenommen —, die verändert haben, wie die Welt sie sieht.
Der Name, den alle kennen, ist César Manrique (1919–1992), geboren in Arrecife. Maler, Bildhauer, Architekt und Aktivist: Er machte aus Vulkantunneln Konzertsäle und aus einem aufgelassenen Steinbruch einen Kaktusgarten — und, wichtiger noch, er verbrachte sein Leben im Kampf gegen die Hochhausbebauung, die diese Insel wie jede andere hätte aussehen lassen. Wie Lanzarote heute aussieht, ist zu großen Teilen sein gewonnenes Argument.
Der Name, der Besucher überrascht, ist José Saramago (1922–2010). Der portugiesische Schriftsteller, der einzige Literaturnobelpreisträger seiner Sprache, zog Anfang der 1990er-Jahre in das Dorf Tías und lebte hier bis zu seinem Tod. Auf dieser Insel schrieb er einen großen Teil seines Spätwerks und füllte damit die als „Cadernos de Lanzarote“ veröffentlichten Tagebücher. Sein Haus mit Bibliothek und Garten ist für Besucher geöffnet — eines der bewegendsten kleinen Museen der Kanaren und ein Wallfahrtsort für Leser auf Portugiesisch, Spanisch und in einem Dutzend weiterer Sprachen.
Lange vor den beiden landete Jean de Béthencourt, ein normannischer Ritter, 1402 im Süden und begann von Lanzarote aus die europäische Eroberung der Kanarischen Inseln — womit diese kleine Insel zum Tor eines ganzen Archipels wurde. Drei Jahrhunderte später tat ein Gemeindepfarrer namens Andrés Lorenzo Curbelo etwas, worum ihn niemand gebeten hatte: Er schrieb Tag für Tag auf, wie die großen Ausbrüche von 1730 aussahen und klangen. Fast alles, was wir über jene sechs Jahre wissen, stammt von ihm.
Auch die Wissenschaft hat einen Namen aus Lanzarote. Blas Cabrera (1878–1945), geboren in Arrecife, wurde einer der bedeutendsten Physiker Spaniens, ein Spezialist für Magnetismus, der an der Seite der führenden Köpfe der europäischen Physik seiner Zeit arbeitete und mit dazu beitrug, Einstein nach Spanien zu holen.
Und dann sind da die ohne Denkmal: die Bauern, die eine Methode erfanden, Reben in Asche zu ziehen, die Frauen, die das Wasser trugen, die Fischer, die jedem Felsen an der Küste einen Namen gaben. Manrique hat verstanden, dass seine eigene Arbeit auf ihrer ruhte — und deshalb war die Insel, die er verteidigte, kein Denkmal, sondern ein Ort, an dem Menschen noch immer leben.
