Als die Ausbrüche der 1730er-Jahre ein Viertel Lanzarotes unter Lava und Asche begruben, begruben sie auch die besten Ackerflächen der Insel. Was die Bauern daraufhin taten, ist der Grund dafür, dass heute ein ganzes Tal geschützt, gemalt, fotografiert und in aller Welt getrunken wird.
Ihnen fiel etwas auf. Die Schicht aus schwarzem Vulkankies — picón oder rofe —, die ihre Felder ruiniert hatte, tat etwas Bemerkenswertes: Sie nahm den nächtlichen Tau auf und hielt ihn fest, und sie verhinderte, dass der ohnehin spärliche Regen verdunstete. Sie war, ganz ungewollt, ein Bewässerungssystem. Also gruben sie. Tausende trichterförmige Mulden, jede ein bis drei Meter breit, durch die Asche hinab bis zum alten Boden darunter. Auf dem Grund jeder einzelnen eine Rebe. Um jede herum eine niedrige, halbrunde Mauer aus Trockenstein — ein zoco — als Windschutz.
Das Ergebnis ist La Geria: ein Tal aus schwarzen Kratern, jeder mit seinem grünen Rebbüschel, die sich in einem Muster die Hänge hinaufziehen, das weniger nach Landwirtschaft aussieht als nach Land-Art. Kein Tropfen davon wird bewässert. Jede Pflanze wird von Hand bearbeitet, denn in eine Mulde kommt keine Maschine hinein. Es ist Landwirtschaft als Ausdauerleistung, und sie bringt vielleicht acht- bis zwölfhundert Kilo pro Hektar, wo ein Weinberg auf dem Festland das Zehnfache liefern könnte.
Die Rebsorte, die den Namen der Insel gemacht hat, ist Malvasía Volcánica, und die Weine Lanzarotes tragen eine eigene geschützte Ursprungsbezeichnung. Die Weißen sind trocken, straff und leicht salzig, mit einer mineralischen Kante, die Liebhaber „vulkanisch“ nennen und anders kaum beschreiben können. Es gibt Rote aus Listán Negro, Rosés, Schaumweine und süße Malvasías nach alter Art — jene, die den kanarischen Wein im England Shakespeares berühmt gemacht haben.
Die Lese ist hier früh und beginnt oft schon im Juli: eine der ersten Europas, an einem Ort, wo die Trauben unter afrikanischer Sonne schnell reifen. Die meisten Bodegas entlang der Straße LZ-30 öffnen ihre Türen für Besucher, und zur Verkostung gehört meist die Aussicht, die schon die halbe Sache ist.
Trinken Sie ihn kalt, zu Fisch oder zu Ziegenkäse, und schauen Sie dabei auf den Boden. Alles, was im Glas ist, kam da heraus.
