Vor den zehn Kilometern Stränden und Promenaden war Puerto del Carmen La Tiñosa: eine Handvoll Fischerhäuser um eine Bootswerft. Hier legte der Inseltourismus an — mit den ersten Hotels der Sechzigerjahre —, und hier schlägt weiter sein doppeltes Herz: die Avenida de las Playas mit ihrer endlosen Energie und der alte Ortskern am Hafen, wo die Boote weiter auslaufen und der frische Fisch vom Kai auf den Tisch kommt. Unter seinen geliebten Ecken: die berühmte esquina de los loros, die Papageien-Ecke [CONFIRMAR VE: localización e historia exacta], wo sich Generationen von Besuchern mit den Papageien als tropischem Reiseandenken fotografiert haben. Von der Bootswerft zum Sonnenuntergang mit Eis in der Hand: Puerto del Carmen ist die Biografie des Inseltourismus in begehbarer Version.
Jedes Tourismusimperium hat sein Ursprungsdorf, und das von Lanzarote heißt La Tiñosa. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war dies ein Fischerdörfchen von kaum ein paar Dutzend Familien: niedrige, gekalkte Häuser um eine natürliche Bootswerft, offene Boote, die zu den afrikanischen Fanggründen ausliefen, und ein Leben im Takt von Meer, Salz und den Heiligen des Kalenders — mit der Virgen del Carmen, der Seefahrer-Patronin, die den Julifesten vorsteht, die heute der ganzen Küstengemeinde den Namen geben.
Die Wendung im Drehbuch kam in den Sechzigerjahren. Der europäische Tourismus entdeckte die Wintersonne der Kanaren, und die Familie, der die Grundstücke am großen Strand gehörten, setzte alles auf eine Karte: 1966 eröffnete das erste große Hotel der Insel an der Landspitze Los Fariones, und mit ihm kam die erste Generation von Stammgästen — Briten und Deutsche vor allem, Pioniere einer Treue, die bis heute hält (Card 48). Das Fischerdörfchen wuchs nach Osten, Strand um Strand: Playa Grande, Los Pocillos, Matagorda … bis auf rund zehn Kilometer goldener Küste, verbunden durch die Avenida de las Playas, das Rückgrat des ersten großen Insel-Resorts. Jahrzehntelang bedeutete „nach Lanzarote fahren" für Millionen Europäer genau das hier.
Das Bemerkenswerte ist, dass der Ursprung unter dem Wachstum nicht starb. Der alte Ortskern — El Varadero, rund um den Hafen — bewahrt Maßstab und Seele des Dorfes: vertäute Boote, Terrassen mit frischem Fisch, wo Thunfisch und vieja vom Kai nebenan kommen, gekalkte Gassen und der meistgefeierte Sonnenuntergang des Inselsüdens, mit Fuerteventura und Lobos als Scherenschnitt im Hintergrund. Die Mischung funktioniert: Hundert Meter von der belebtesten Meile der Insel entfernt kann man wie in einem Fischerdorf zu Abend essen — weil es ein Fischerdorf ist.
Und unter den Ecken mit eigenem Gedächtnis ist die, die diesem Card den Beinamen gibt: die esquina de los loros, die Papageien-Ecke [CONFIRMAR VE: ubicación exacta — ¿zona del puerto viejo/Varadero? — y la historia de los papagayos y su fotógrafo/propietario], der Punkt, an dem sich Generationen von Besuchern mit den bunten Papageien als lebendigem Reiseandenken fotografiert haben — eine dieser kleinen Traditionen, die am Ende das meistwiederholte Foto in den Familienalben halb Europas sind. Jeder altgediente Touristenort hat so eine Ecke: Seine ist diese, und die älteren Nachbarn des Hafens nach ihrer Geschichte zu fragen ist ein Gespräch, das einen Nachmittag wert ist. [Nota interna: cerrar la historia con la memoria local de VE antes de traducir.]
Puerto del Carmen ist heute die komplette Biografie des lanzarotenischen Tourismus im Spazierformat: Man kommt durch den Hafen des 20. Jahrhunderts herein, flaniert über die Avenida des Booms, endet an den Familienstränden des Ostens — und in jedem Abschnitt steckt eine Epoche. Geh ihn mit diesem Blick ab, und du siehst, was er ist: der Ort, an dem eine Insel aus Fischern und Salzbauern, ohne die Seele zu verlieren, ihr neues Handwerk lernte.
