Zweihundert Kilometer Küste — und kaum ein Abschnitt gleicht dem anderen. Lanzarotes Strände wechseln alle paar Kilometer den Charakter, denn derselbe Passatwind, der die eine Bucht zum Spiegel macht, verwandelt die nächste in offenen Ozean. Richtig zu wählen ist der Unterschied zwischen einem perfekten und einem windigen Tag.
Für ruhiges, türkisfarbenes Wasser geht es nach Süden. Die Buchten von Papagayo an der Südspitze der Insel, innerhalb eines geschützten Naturparks, erreicht man über eine Schotterpiste und gegen eine kleine Gebühr pro Auto: Halbmonde aus goldenem Sand zwischen vulkanischen Landzungen, flach und geschützt, ideal zum Schwimmen und Schnorcheln. Kommen Sie früh — Schatten gibt es keinen, und gegen Mittag sind die Parkplätze voll. Ganz in der Nähe sind die Ortsstrände von Playa Blanca und die Playa Dorada noch sanfter, mit Infrastruktur und ruhigem Wasser für Familien.
Fürs Drama geht es nach Norden. Famara ist ein riesiger Strand, der sich über Kilometer unter Klippen von nahezu sechshundert Metern Höhe hinzieht, und er ist bei jedem Wetter großartig. Er ist auch ein ernst zu nehmender Strand: starke Strömungen und eine harte Uferbrandung machen ihn zu einem Ort, an dem man mit einer Surfschule ins Wasser geht, statt nebenbei mit Kindern zu baden. Derselbe Wind, der hier einen Sonnentag ruiniert, hat ihn zu einem der großen Lernreviere fürs Surfen in Europa gemacht.
Manche Strände lohnen den Umweg allein wegen ihrer Seltsamkeit. Caletón Blanco im Norden bei Órzola streut weißen Sand über schwarze Lava und formt daraus eine Reihe flacher Naturbecken — das wärmste und sicherste Wasser der Insel für kleine Kinder. Playa Quemada an der Südküste ist ein Fischerweiler mit Kieselstrand, in dem nicht viel passiert, und genau darum geht es. Die grüne Lagune von El Golfo ist einer der meistfotografierten Anblicke der Insel — und ein Ort, an dem man nicht schwimmen darf: Sie steht unter Schutz, und das Meer daneben ist tückisch.
Drei Regeln bringt die Insel schnell bei. Grüne Flagge heißt schwimmen, gelbe heißt Vorsicht, rote heißt, das Meer hat bereits entschieden. Natürlichen Schatten gibt es fast nirgends, bringen Sie also Ihren eigenen mit. Und der Atlantik ist hier erfrischend statt warm — am kühlsten im Frühjahr, am freundlichsten im Frühherbst, wenn das Wasser den ganzen Sommer Zeit hatte, sich aufzuwärmen.
